2012: Viele Rückschläge für Agro-Gentechnik – einige Beispiele

Gentech news 273, Januar 2013, von Florianne Köchlin*
2012 : Viele Rückschläge für AgroGenTechnik – Beispiele

1.   Europa
Der Chemiekonzern BASF verzichtet auf Forschung und Freisetzung von GVOs in Europa – der Widerstand sei zu gross. Er will seine Gentech-Kartoffel Amflora aus dem europäischen Markt zurückziehen; sie ist ein Flop. Sonst ist in der EU nur der Gentech-Mais Mon810 zugelassen, doch viele Länder verbieten deren Anbau (u.a. Frankreich und Deutschland). Und die Anzahl von Freisetzungsexperimenten nimmt jedes Jahr ab, so auch 2012. (BASF, 16.1.12)

2.   Indien
Gentech-Bt-Baumwolle galt als grosse Erfolgsstory der Industrie. Doch Regierungsberater gaben zu, dass der Anbau von Bt-Baumwolle in einer schweren Krise steckt – wegen grosser Ernteeinbussen und zahlreicher Selbstmorde von Bt-Baumwoll-Bauern. Eine Parlamentarische Kommission verlangt den sofortigen Stopp aller Versuche. Eine vom indischen Supreme Court eingesetzte Expertengruppe fordert einstimmig ein 10-jähriges Moratorium für GVOs. (Economic Times, 19.10.12)

3.   Weltweit
Die Proteste nehmen zu. Kalifornien hat ganz knapp die Deklaration von GVOs abgelehnt, nachdem die Industrie mit 45Mio $ eine aggressive Gegenkampagne führte. Viele weitere US-Bundesstaaten nehmen das Begehren auf. Süd-Afrika hat 2012 seine Deklarationsvorschriften verschärft. Brasilien zwang Nestlé, GVO-Zutaten in ihren Produkten zu deklarieren. Die Türkei verlangt, dass auch GVO-gefütterte-Tierprodukte deklariert werden. Heute müssen GVOs in 61 Ländern deklariert werden. (CFS, 4.10.12)

4.   Roundup – neue Risikoerkenntnisse
Die allermeisten Gentechpflanzen sind gegen das Herbizid Roundup resistent. Es ist das weltweit meistverkaufte Herbizid. Laut Monsanto werde es schnell abgebaut und sei ungefährlich. Doch zahlreiche neue Studien belegen das Gegenteil, so zum Beispiel: Roundup führt zu Geburtsdefekten bei Amphibien, zu Störungen von Nerven- und Samenzellen bei Laborratten, zum Absterben nützlicher Darmbakterien; Roundup-Spuren wurden im Urin von Stadtbewohnern, im Grundwasser, in Flüssen und selbst im Regen nachgewiesen. (GMWatch, 3.1.12)

5.   Südliches Afrika : Ertragreiche und resistente Cassava (Maniok) – ganz ohne Gentechnik
Cassava liefert viel Kohlenhydrate, und vor allem: Sie erträgt Dürre und karge Böden gut – eine prima Alternative für Regionen, in denen bisher viel anfälligere Getreidesorten angebaut werden. Für Aethiopiens Regierung und Forschungs-Institute hat Cassava Priorität, um die Lebensmittelsicherheit zu garantieren. Neue, ertragreiche Cassava-Sorten sind auf dem Markt. (IITA, 22.12.12)

Zu jeder Meldung können Sie die Referenzen und Hindergrundartikel einsehen unter “Gentech-News Deutsch” auf der Homepage http://www.blauen-institut.ch


*Florianne Köchlin (http://www.blauen-institut.ch) :
Das in Münchenstein (BL, Schweiz) ansässige und im Januar 1999 gegründete Blauen-Institut befasst sich mit der kritischen Beurteilung von gentechnischen Projekten und Entwicklungen. Weitere Arbeitsschwerpunkte bilden die Zusammenarbeit mit Nicht-Industrie-gebundenen Organisationen in Europa, die Entwicklung von Alternativ-Konzepten, die Entwicklung und Durchführung von konkreten Kampagnen im Bereich der Gentechnologie.
Geschäftsführerin ist die Biologin Florianne Koechlin.
Einige Publikationen von Florianne Koechlin:
“PflanzenPalaver. Belauschte Geheimnisse der botanischen Welt.”, 2008, Lenos-Verlag, ISBN 978 3 85787 399 7
“Zellgeflüster. Streifzüge durch wissenschaftliches Neuland.”, 2005, Lenos Verlag. ISBN 3 85787 368 X
“Zukunftsmodell Schweiz. Eine Landwirtschaft ohne Gentechnik?” (Hrsg), 1999, ISBN 3-906081-04-4
“Das patentierte Leben” (Hrsg), 1998, Rotpunktverlag, Zürich, ISBN 3-85869-145-3
“Mythos Gen” (zusammen mit Daniel Ammann), 1997, Utzinger/Stemmle Verlag, ISBN 3-908688-14-0
“Schön, gesund & ewiger leben”, 1994, Rotpunktverlag, Zürich, ISBN 3-85869-159-3